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Geschichte
> Frankenstein
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Stand:
16.06.2009
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Autor Dr.
Erich Kraft


(Dr.
Kraft)
Dr. Kraft ist Vorsitzender des
Geschichtsvereins Eberstadt-Frankenstein. Auf dessen Seiten
finden Sie weitere Informationen über Burg und Herrschaft
Frankenstein:
Geschichtsverein
Eberstadt-Frankenstein

Die
kurze Geschichte von Burg und Herrschaft Frankenstein
von
Dr. Erich Kraft
in künstlerischer Typographie als
pdf-Dokument zum Herunterladen:
 (1,8
MB)

Das
Frankenstein-Monster
ist
so frei erfunden wie es viele Märchen und angebl. hist.
Geschichtchen sind. Sie sollten aber nicht für historische
Tatsachen „verkauft“ werden.
Der
Geschichtsverein Eberstadt/Frankenstein nimmt dazu
Stellung:

Walter
Scheele,
Autor des Buches „Burg Fankenstein: Mythos,
Wahrheit, Legende“ entgegnet:


Aktuell:
Ergebnis
der Forschungen von Michael Müller vom Geschichtsverein
Eberstadt/Frankenstein:


Halloween (von
Heinrich Tischner):

Spuk
und Gespenster auf Burg Frankenstein in den Tagen um
Allerheiligen:
Das ist kein keltisches Fest, sondern
altes deutsches Brauchtum. Es ist gar nichts Neues an diesem
amerikanischen Import: Maskenumzüge, Kürbis- und
Rübenköpfe, Heischegänge – Bräuche zu
verschiedenen Terminen in unseren Landen, aber kein Zusammenhang
mit Allerheiligen.

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Der
Name Frankenstein in alten Dokumenten
(aus: Hess.
Ortsnamenbuch, Wilhelm Müller, 1937):
1252
Frangenstein 1343 Frankinstein 1420 Franckenstein 1439
Frangkstein 1467 Franckenstein 1488 Franckstein 1662
Franckhenstein

Weitere
Frankenstein-Seiten wider die erfundenen
Gruselgeschichten:
Geschichtsverein
Eberstadt-Frankenstein

Burg
Frankenstein, Shelley und die Konstruktion eines Mythos: Warum
Johann Konrad Dippel nicht das Vorbild für Viktor
Frankenstein war

Mary
Shelley, Frankenstein und der “explodierte” Burgturm

Monster
auf dem Frankenstein: Was ist dran?


Andere
Frankenstein-Seiten:
Restaurant Frankenstein:


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Eine
kurze Geschichte von Burg und Herrschaft Frankenstein
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Sagen
und Märchen, Wahres und Unwahres, Vorstellungen von
romantischer Ritterherrlichkeit bis hin zu Gespenstergeschichten,
all das rankt sich um das gut 750 Jahre alte Gemäuer der
Burg Frankenstein. Die auf auf hartem Fels errichtete Burg war
einige Jahrhunderte lang der Mittelpunkt einer kleinen Herrschaft
unter dem uradeligen Geschlecht derer von und zu Frankenstein.
Diese aus dem Odenwald stammende Adelsfamilie blüht noch
heute, und sie hat ganz und gar nichts zu tun mit jenen
Schauergeschichten, die sich für so manchen Besucher mit dem
Namen „Frankenstein“ verbinden.
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Ein
Roman und allerlei Märchen
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Zwar
suchen Jahr um Jahr Scharen von Touristen nach den Spuren
irgendwelcher Monster auf der Burg, Publikationen und sogar in
-und ausländische Fernsehsender verbreiten eifrig und
geschäftstüchtig solche Märchen, allein, das
Monster des „Doktor Frankenstein“ entspringt
lediglich der dichterischen Eingebung von Mary Shelley, einer
englischen Schriftstellerin. Ihr Roman „Frankenstein oder
der neue Prometheus“ berichtet von einem besessenen
Wissenschaftler namens Viktor Frankenstein, der aus Leichenteilen
einen künstlichen Menschen erschuf. Zwar hat die Dichterin
zu Beginn des 19. Jahrhunderts eine Schiffsreise auf dem Rhein
unternommen und darüber ein Tagebuch verfaßt, doch
erwähnte sie den Frankenstein mit keinem einzigen Wort. Es
ist auch höchst unwahrscheinlich, daß sie die Burg
überhaupt gesehen, geschweige denn besucht hätte. Die
Vorbeireise auf dem 20km entfernten Rhein geschah mitten in der
Nacht, und selbst bei Vollmond konnte man die Burg damals nicht
erblicken. Die heute herausragenden Türme waren zu ihrer
Zeit bis zur halben Höhe verfallen und von dichtem,
hochstämmigem Wald umgeben.
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Es
bleibt freilich die Frage, wie Mary Shelley auf den Namen
„Frankenstein“ kam. Im Roman selbst wird die Burg
weder erwähnt noch kommt sie in der Handlung vor. Viel
wahrscheinlicher ist, daß die Schriftstellerin hier ein
Wortspiel mit dem Namen des damals bekannten Wissenschaftlers
Benjamin Franklin treibt, der in der Tat - im Roman sehr
entscheidend - elektrische Experimente unternommen hatte. Auch
andere Schauergeschichten um die Burg, etwa von einem
Alchimisten, der dort geheimnisvolle Versuche durchgeführt
haben soll, halten einer seriösen historischen Forschung
nicht stand. Sicher ist nur, daß die umliegenden
Dorfbewohner sich zu keiner Zeit vor einem mordlustigen Monster
oder sonstigen Gespenstern fürchten mußten.
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Angesichts
heutiger Ruinen darf man auch nicht auf einstmalige
Raubritterkämpfe oder kriegerische Handlungen schließen.
Zu keiner Zeit war die Burg in Belagerungen verwickelt, keine
kriegerischen Zerstörungen fanden statt. Man ließ sie
ganz einfach verfallen, nachdem sie 1662 unversehrt an Hessen
gekommen war. Erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts ließ
der hessische Großherzog Ludwig III. den noch vorhandenen
Ruinenbestand vor weiterem Verfall sichern und die beiden Türme
wiederherstellen
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Ein
Rundgang in der Burg
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Kommt
man heute zur Burg, so verweist die Jahreszahl 1861 über dem
westlichen Eingangstor auf diese Burgrestaurierung. Die gesamte
Burganlage ist in gut zu unterscheidende Abschnitte gegliedert,
die auch jeweils verschiedenen Bauzeiten angehören. Der
älteste Teil ist die südliche Kernburg, die von
mächtigen, schon vor 1250 errichteten Mauern mit Zinnen und
Wehrgängen geschützt ist. Hier drängten sich die
meist in Fachwerkbauweise erstellten Wirtschafts- und Wohngebäude
um einen engen Hof. Die dicken Außenmauern dieser Häuser
bildeten zugleich die Begrenzung der Kernburg. Nach Süden,
dem heutigen Parkplatz zu, sind noch die tief in den Fels
gehauenen „Halsgräben“ zu sehen. Zwischen diesen
Verteidigungslinien errichtete man noch als letztes
Befestigungswerk zur gefährdeten Südseite hin den
Pulverturm, in dessen Untergeschoß man nur von der
Burgseite über einen Zugang gelangen konnte. Das Geschoß
deckten dicke Bohlen ab, was durch die Auflagesteine noch heute
sichtbar ist. Das Obergeschoß schließlich blieb nach
der Burgseite hin offen, um den Feinden dort ein gesichertes
Festsetzen nach einer Eroberung unmöglich zu machen. Um die
alte Kernburg bauten die Frankensteiner später eine weitere
starke Ringmauer, die den Zwinger umschloß. Der noch heute
stehende Torturm nach Norden war lange der eindrucksvolle
Haupteingang zur eigentlichen Burg.
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Um
das Jahr 1400 erweiterte man die Burg um die Vorburg, gleichfalls
von einer starken Wehrmauer umgeben. Nun konnten die
Wirtschaftsgebäude und Gesindewohnungen nach Norden in die
Vorburg verlegt werden, wodurch endlich mehr Raum für die
wachsende Zahl der Burgbewohner entstand.Während der ersten
Hälfte des 16. Jahrhunderts erlebte die Burg eine
ausgedehnte Bautätigkeit, mit der die Anlage ihre endgültige
Ausprägung bekam.Von sämtlichen Gebäuden der
Vorburg steht außer der 1450 durch den älteren Stamm
Frankenstein errichteten Kapelle heute nichts mehr.
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Der
um 1400 errichtete Torturm schützte den Eingang zur
Kernburg. Heute ist der einstmalige Graben davor zugeschüttet,
doch sind im Turm noch die Rollen und Auflagesteine für die
Zugbrücke gut zu sehen.Über dem Tor ist das Wappen der
Herren von Frankenstein zu erblicken mit rotem Beileisen auf
goldenem Feld. Der dort ebenfalls angebrachte Turnierhelm läßt
zwei Schwanenflügel erkennen als Hinweis auf die Herren von
Sachsenhausen, deren Rechte durch Erbgang an die Frankensteiner
gelangten. Der obere Teil des Torturmes mit seinem spitzen
gotischen Dach ist deutlich als wiederaufgebautes Stück zu
erkennen. Besonders bei den verwitterten Sandsteinfriesen an den
Fenstern ist die Grenze zwischen dem erhaltenem Gemäuer des
14. Jahrhunderts und der späteren Rekonstruktion
augenfällig.
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Lange
hielt man diese erst um 1890 aufgesetzten Turmhelme für
einen mißlungenen Wiederherstellungsversuch. Für Teile
der Kernburg und besonders für den dortigen Turm und seine
Umgebung gilt das auch. Im Hessischen Staatsarchiv Darmstadt
befindet sich eine Zeichnung von Franz Schütz, die als
einzige die Burg vor ihrem Zerfall nach 1780 zeigt. Dort ist zu
sehen, daß der wieder aufgebaute Torturm die einstige
Gestalt doch recht gut wiedergibt. Auch war der Turm auf der
Rückseite schon immer offen. Falls es Feinden nämlich
gelungen wäre, diesen einzunehmen, so konnten sie von der
Kernburg aus weiterhin beschossen werden. Ein Festsetzen war
ihnen hier also unmöglich, da die Deckung fehlte.
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Ein
kleiner Weg, einst ebenfalls eine Zugbrücke, führt uns
nun durch den ehemaligen Zwinger mit seinen früheren Gärten
zum ältesten Burgteil. Von dieser Kernburg stehen freilich
nur noch die Ruinen der Westseite nach Eberstadt hin. Gegenüber
standen ähnliche Gebäude, deren Fachwerkwände samt
der massiven Außenmauern völlig dem Erdboden
gleichgemacht wurden. Den eigentlichen Eingang zur Kernburg
verwehrte ein weiteres, stark befestigtes Torhaus, von dem
ebensowenig mehr steht. Denkt man sich alle diese Gebäude,
so kann man ermessen, wie außerordentlich eng der innere
Burghof war.Freilich hatte eine mittelalterliche Burganlage auch
nicht der Bequemlichkeit zu dienen, sondern allein der
Verteidigung gegenüber Angreifern und dem Schutz ihrer
Bewohner. Einen Bergfried, also einen großen zentralen
Turm, hatte dieser älteste Burgbereich nicht, der Platz
reichte einfach nicht dazu aus. Der heute die Ruinen überragende
Turm war ein Wohnturm, um den sich die anderen Gebäude
gruppierten. Das ehemalige massiv gebaute Herrenhaus (Palas) mit
vorspringendem Treppenturm ist noch zu erkennen.
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Im
hinteren Burghof stand das Brunnenhaus. Der mittelalterliche
Brunnen ist noch erhalten, heute allerdings zugedeckt. Er wurde
2007 leergepumpt und eingehend untersucht. Die letzte Frage, ob
es eine natürliche Wasserader oder eine Zisterne war, konnte
aus Geldmangel freilich nicht mehr geklärt werden.
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In
halber Höhe des Wohnturmes ist an seiner südöstlichen
Ecke eine Steinplatte angebracht mit der Inschrift „Anno
domini 1528. Zu got stet min tru.“ (Im Jahre des Herrn
1528. Zu Gott steht meine Treue.) Philipp IV. von Frankenstein
wollte hiermit vermutlich seine Treue zum katholischen Bekenntnis
ausdrücken, nachdem Landgraf Philipp der Großmütige
zwei Jahre zuvor die Reformation eingeführt hatte und nun
die kleinen Ritterherrschaften drängte, dies gleichfalls zu
tun. In einem Fensterfries nebenan befindet sich noch die
Jahreszahl 1527. Sie weist uns auf das Jahr hin, mit dem eine
umfangreiche Bauzeit der Burg ihren Abschluß gefunden
hatte.
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In
der Kapelle sind drei Grabdenkmale aufgestellt, die ursprünglich
in den Kirchen von Eberstadt und Nieder-Beerbach standen.
Großherzog Ludwig III. von Hessen ließ diese 1851 auf
die Burg bringen, um sie vor weiterem Schaden zu bewahren.
Begräbnisstätte für die ältere Linie
Frankenstein war die Eberstädter und für die jüngere
Linie die Nieder-Beerbacher Kirche. In der Eberstädter
Kirche ist die Gruft samt vieler Grabdenkmale endgültig erst
1910 durch Umbaumaßnahmen zerstört worden. Einzig das
Grabmal Johanns I. (gestorben 1401) ist dort in der Kirchenwand
eingemauert noch vorhanden.
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Das
Grabmal links in der Burgkapelle, stellt Hans IV. und seine Frau
Irmela von Cleen dar. Sie knien hintereinander, anbetend dem
Altar zugewandt. Hans und Irmela wohnten von 1508 bis 1532 im
Schloß derer von Cleen in Ockstadt bei Friedberg. Sie
brachte 13 Kinder zur Welt. Irmela starb 1532 und bald nach ihr
Vetter Philipp vom jüngeren Stamme. Witwer Hans IV. kehrte
deshalb von Ockstadt in die nun herrenlose Burg zurück und
übernahm mit der Herrschaft auch die Auseinandersetzungen
mit den hessischen Landgrafen. Zwar hielt Hans am überlieferten
katholischen Glauben fest, doch der Einführung der
Reformation konnte er nicht länger Widerstand
entgegensetzen. 1542 führte er in seiner Eigenschaft als
Kirchenherr den ersten evangelischen Pfarrer von Eberstadt in
sein Amt ein. 1558 starb Hans auf seinem Gut in Oppenheim am
Rhein.
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Das
Grabmal gegenüber zeigt Ludwig IV. und seine Frau Katharina,
geborene von Rodenstein. Auch sie waren in Eberstadt begraben. Da
deren Ehe kinderlos blieb, erlosch 1606 mit dem Tode Ludwigs der
ältere Stamm Frankenstein. Den Letzten des jüngeren
Stammes, Philipp Ludwig, stellt das große Denkmal rechts
des Eingangs dar. Er verunglückte schon 1602 im Alter von 21
Jahren, als er mit der Kutsche, wohl zu schnell, nach Seeheim
fuhr.
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Herrschaft
und Familie Frankenstein
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Die
im Hessischen Staatsarchiv Darmstadt aufbewahrte Urkunde von 1252
ist der erste und einzig erhaltene originale Beleg für die
Erwähnung einer Burg auf dem Frankenstein. Natürlich
ist die Burg nicht erst in diesem Jahr gebaut worden. Vielleicht
gab es auch schon in früherer Zeit einen Herrensitz auf
diesem Berg und auch in Nieder-Beerbach . Doch vor 1252 taucht
der Name „Frankenstein“ im Zusammenhang mit der
hiesigen Burg nicht auf. Vermutungen auf ein wesentlich älteres
Entstehungsjahr des Frankensteins sind jedenfalls nicht belegbar.
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Ein
Herr Konrad II. Reiz von Breuberg und seine Gemahlin Elisabeth
von Weiterstadt urkunden 1252 „super castro in
frangenstein“ (auf der Burg am Frankenstein). Beide
Eheleute gehörten angesehenem Uradel an. Konrad entstammte
als Herr von Breuberg der gleichnamigen Burg im hinteren
Odenwald. Er erhielt die Ländereien und Dörfer an der
Bergstraße durch seine Heirat mit Elisabeth von
Weiterstadt. Beider Söhne nannten sich fortan Herren von und
zu Frankenstein und begründeten damit das noch heute
bestehende Geschlecht.
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Die
Frankensteiner waren die Obrigkeit in den Dörfern Eberstadt,
Nieder-und Ober-Beerbach, Schmalbeerbach, Stettbach, Allertshofen
und sogar Bobstadt im Ried. Dort waren sie die Ortsherren,
Gerichtsherren und vor allem auch die Kirchenherren. Sie
ernannten die örtlichen Schultheißen, die in ihrem
Namen den jeweiligen Ortsgerichten vorstanden und für die
dörfliche Verwaltung sorgten. Sie bestellten die Pfarrer und
prüften die kirchliche Verwaltung und die Kirchenkasse.
Besonders am Recht als Kirchenherren hielten die Frankensteiner
lange und zähe fest, auch noch, als die Reformation 1542 auf
Druck des übermächtigen Landgrafen von Hessen in der
Herrschaft eingeführt wurde. Die katholischen gebliebenen
Frankensteiner übten auch über die evangelischen
Kirchen ihres Gebietes ungeschmälert ihre Aufsichtsrechte
aus. Den Dorfkirchen von Eberstadt und Nieder-Beerbach kam
hierbei eine besondere Rolle zu, denn dort hatten die Herren ihre
Familiengruft, die ältere Linie in Eberstadt und die jüngere
Linie in Nieder-Beerbach. In diese beiden Stämme teilte sich
nämlich im 14. Jahrhundert die Familie, wobei man die Burg
gemeinsam bewohnte. Um ja keine Streitigkeiten aufkommen zu
lassen, wurde in einem Burgfrieden von 1363 genau beschrieben,
was jedem Stamm gehörte. Burg und Herrschaft wurden sodann
entsprechend aufgeteilt.
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Von
Anbeginn konnten die Frankensteiner ihre Herrschaftsstellung
allerdings nicht völlig unabhängig ausüben. Für
eine freie, selbständige Herrschaft war an der Bergstraße
im 13. Jahrhundert kein Platz mehr. Vielmehr mußten sie
sich früh mächtigeren Oberherren unterordnen. Schon
1292 begab sich Friedrich von Frankenstein in die
Lehnsabhängigkeit des Grafen Wilhelm von Katzenelnbogen, dem
späteren Stadtgründer Darmstadts. Dem Grafen wurde das
Öffnungsrecht der Burg eingeräumt, wodurch er sich
ihrer im Kriegsfalle bedienen konnte.
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Ein
Reichslehen, also niemandem untertan zu sein außer dem
Kaiser, das war die Burg ursprünglich wohl nicht gewesen,
denn eine zweite Urkunde einige Jahre später betonte
ausdrücklich die Lehensabhängigkeit von den
Katzenelnbogenern. Gewiß war diese Verbindung für die
Frankensteiner auch von Vorteil, wie man überhaupt das
Lehnswesen zweiseitig sehen muß. Der Lehnsmann, in diesem
Falle der Frankensteiner, leistete dem Lehnsherrn Dienst und
Treue. Dafür war der Lehnsherr zu Schutz und Schirm seinem
Getreuen gegenüber verpflichtet. Die Frankensteiner besaßen
darüber hinaus noch weitere Besitz- und Herrenrechte als
Burgmann in Zwingenberg (Schloß Auerbach), Darmstadt,
Groß-Gerau (Dornberg) und andernorts. 1433 reiste Graf
Philipp von Katzenelnbogen mit seinem Lehnsmann Konrad von
Frankenstein bis ins Heilige Land.
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In
einer günstigen politischen Lage erreichten die
Frankensteiner 1402 dann doch die Anerkennung der Burg zusammen
mit Nieder-Beerbach als Reichslehen. Dieses Gebiet blieb fortan
reichsfrei und keinem anderen Herrn untertan als dem Kaiser. Es
war hierdurch vor jedermanns Zugriff rechtlich gefreit. Das
übrige Territorium der Herrschaft unterlag dagegen weiterhin
dem Einfluß der mächtigeren Landesherren, zunächst
den Grafen von Katzenelnbogen und ab 1479 den Landgrafen von
Hessen. Diesen allein oblag auch die höhere Gerichtsbarkeit
und die Landesverteidigung.
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Streit
mit den Landgrafen von Hessen
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Es
lag also auf der Hand, daß es über die Abgrenzung der
jeweiligen Hoheitsrechte immer wieder zu Streitigkeiten kam.
Einmal war es die Erhebung des Weinzolls oder die gewaltsame
Einsetzung eines hessischen Zöllners in Eberstadt, ein
andermal ging es um den Feld- und Waldbesitz, um das Jagen und
Fischen oder gar darum, daß frankensteinische Untertanen
mit Gewalt zu Frondiensten und steuerlichen Abgaben für den
hessischen Landgrafen gezwungen wurden. Die Schwierigkeiten
verstärkten sich mit der Einführung der Reformation und
erst recht, als ab 1567 die hessischen Landgrafen Darmstadt zu
ihrer Residenz machten und auf die kleine, ausgerechnet „vor
ihrer Nase“ liegenden Ritterherrschaft aus einen wachsenden
Druck ausübten. Fortwährend versuchten die Landgrafen
in frankensteinische Zuständigkeiten und Rechte
einzugreifen, um die Ritter allmählich mürbe zu machen.
Den Frankensteinern blieb da nichts anderes übrig, als sich
lange und zähe mit den Mitteln des Rechtes zu wehren.
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Der
Widerstand ließ freilich merklich nach, als 1602 und 1606
die beiden auf der Burg ansässigen Hauptlinien, der jüngere
und der ältere Stamm, ausstarben. Die im oberhessischen
Ockstadt bei Friedberg wohnende Verwandtschaft gab schließlich
dem landgräflichen Druck nach. Zwar hatte Großonkel
Ludwig IV. in seinem Testament von 1605 noch eindringlich
gemahnt, „das Schloß Frankenstein samt seinen
Zugehörigkeiten nimmermehr an das Haus Hessen gelangen zu
lassen“, doch nach dem vergeblichen Versuch‚ Kurmainz
für die frankensteinischen Territorien zu interessieren,
verkauften die Herren von Frankenstein ihre Stammburg und die
gesamte Herrschaft im Jahre 1662 an die Landgrafen von Hessen.
Schon einige Jahrzehnte waren Teile ihres Ländchens durch
Erbschaft an die Schönberger Grafen gegangen (Schönburg
bei Oberwesel am Rhein) und über diese anschließend
auch an Hessen.
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Insgesamt
brachte der Landgraf 109000 Gulden auf, eine für die
damalige Zeit außerordentlich hohe Summe. Ihm war aber
offensichtlich nichts zu teuer, um dieses kleine
ritterschaftliche Ländchen endlich zu erwerben. Sogar die
Zustimmung des Kaisers, sicher auch nicht gerade billig, wurde
eingeholt, denn da es sich teilweise um reichs-freies Gebiet
handelte, mußte der Kaiser mit dem Verkauf einverstanden
sein. Mit dem Verkaufserlös erwarben die Frankensteiner eine
Herrschaft samt schönem Barockschloß im
mittelfränkischen Ullstadt, wo das Geschlecht noch heute
blüht.
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Die
Burg verfällt
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Die
Burg befand sich 1662 beim Verkauf an die Landgrafen von
Hessen-Darmstadt noch in wohnlichem Zustand. In den Jahrzehnten
danach setzte aber eine unvorstellbare Verwüstung und
Zerstörung ein, da den neuen Eigentümern der Burg an
ihrer Erhaltung offenbar wenig lag. Die Burg hatte als Sitz und
Zeichen von Herrschaft nun keine Bedeutung mehr.
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Zunächst
diente sie als Militär-Invalidenanstalt, danach, bei den
Eroberungskriegen des französischen Königs Ludwig XIV.,
bot sie vielen Menschen einen sicheren Zufluchtsort.
Jahrzehnte später kam das Gerücht von verborgenen
Schätzen in der Burg auf. Um ihrer habhaft zu werden, riß
man Wände und Fußböden ab und grub unterirdische
Gänge, was zum Einsturz von Mauern und Kellerdecken führte.
100 Jahre nach dem Wegzug der Frankensteiner war die Vorburg
schon weitgehend verfallen. Dort wurde 1765 auf den erhaltenen
Grundmauern ein Forsthaus mit Gastwirtschaft, Scheune, Stall und
anderen Nebengebäuden errichtet. Die letzten Reste werden
genau 200 Jahre darauf auch noch abgerissen, um der 1965 erbauten
neuen Burggaststätte Platz zu machen.
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Die
Kernburg freilich stand in der Mitte des 18. Jahrhunderts noch,
nur sehr schadhaft, denn irgendwelche Reparaturen wurden völlig
unterlassen. Verantwortlich für die weitgehende Zerstörung
war erst eine gewisse Eulerin, die verlassene Gattin des
Burgverwalters. Sie verhökerte das gesamte Inventar
zugunsten ihrer eigenen Tasche, und nahm eine gründliche
Ausschlachtung vor. Nicht nur die vielen Herde, die gußeisernen
Ofenplatten, Türen, Schlösser und Fenster und alle
Einrichtungen wurden entfernt, die Eulerin verkaufte auch das
Blei von den Dächern, die Ziegel und hölzernen Treppen.
Selbst ein neues Holztor wurde nicht verschont. Den Rest
besorgten die Bauern der Nachbardörfer, indem sie die Burg
als billigen Steinbruch benutzten. Stiche des Darmstädter
Hofmalers Primavesi von 1819 lassen diesen trostlosen Zustand
erkennen.
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Die
erwachende Burgenromantik des 19. Jahrhunderts ließ dann
wieder Interesse am Frankenstein aufkommen, und man begann mit
einer nicht sehr gelungenen Restaurierung der noch vorhandenen
Teile, die dem früheren Aussehen in weiten Teilen nicht
entsprach. Die erst um 1890 aufgesetzten Turmdächer gerieten
zu steil, der Nordturm wurde sogar um ein Stockwerk erhöht,
und eine Haube auf dem südlichen Turm hat es vermutlich nie
gegeben. Es spricht vieles dafür, daß der Südturm
immer offen mit Zinnen war, allenfalls ein niedriges Wetterdach
darf man annehmen.
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Keller
und andere Grundmauern wurden eingeebnet und Treppenaufgänge
so verkehrt angelegt, daß leider noch viele erhaltene
Spuren zusätzlich verwischt wurden. Die noch sichtbaren
Anbauten, Feuerstellen, Backanlagen und Stockwerkshöhen
gingen dadurch verloren. Wir müssen uns klar sein, daß
der Frankenstein das Bild mit den markanten Türmen, so wie
wir es heute kennen, gerade mal seit hundert Jahren hat. Über
600 Jahre sah die Burg dagegen anders aus.
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Die
Frankensteiner heute
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Am
Anfang der langen Geschichte der Familie Frankenstein stehen
Konrad II. von Breuberg und Elisabeth von Weiterstadt, deren
Nachkommen sich fortan nach dem Burgberg „von und zu
Franckenstein“ nannten. Heute, 340 Jahre nach dem Weggang
vom Stammsitz, leben die Nachfahren im mittelfränkischen
Ullstadt. Es sind mehr als 20 Generationen, welche die
gegenwärtigen „Frankensteiner“ von ihrem
Stammvater aus dem fernen 13. Jahrhundert trennen. Nach Übernahme
der Herrschaft in Ullstadt bestätigte Kaiser Leopold I. die
reichsunmittelbare Stellung der Familie und erhob sie 1670 zu
Reichsfreiherren, einen Titel, den die Familie seither führt.
Philipp Anton von Franckenstein wurde 1746 Fürstbischof von
Bamberg, und im 19. Jahrhundert nahm Georg Arbogast gar Einfluß
auf die Reichspolitik. Als Reichstagsabgeordneter des
katholischen Zentrums war er Schöpfer der sogenannten
„Franckensteinischen Klausel“, eines wichtigen
Finanzgesetzes im Kaiserreich bis 1918.
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Mit
dem Urenkel dieses Georg Arbogast sind wir nun beim heutigen
Namesträger, dem 1939 geborenen Moritz Freiherr von und zu
Franckenstein, verheiratet mit der ungarischen Gräfin
Gabriella Zichy zu Zich und Vasonkeö. Sechs Kinder
entstammen der Ehe, fünf Buben und ein Mädchen. 2002
feierte die ganze Familie gemeinsam mit den Eberstädtern und
Nieder-Beerbachern das 750jährige Jubiläum der Burg.
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